Annehmen, Ausdehnen & Loslassen: So gelingt dir der Umgang mit schwierigen Emotionen

Trauma triggert trotzig


Wir kennen sie alle – diese Momente, die alte Traumata hervorholen: jemand grüßt nicht zurück oder schaut einen schief an, eine Meinungsverschiedenheit mit dem Lieblingsmenschen, der unerwartete Erfolg eines Kollegen, eine Freundin vergisst sich zu melden… Und dann passiert es: ehe wir uns versehen, explodieren (oder implodieren!) wir, werden auf einmal tieftraurig oder spüren Angst in uns hochsteigen. Die Angst etwas zu verlieren, zu verpassen oder nicht das zu bekommen, wovon wir glauben, dass es uns zusteht.


Wenn unser Leben ein Spielfilm wäre, wäre dies der Moment, auf die Pause Taste zu drücken und in Ruhe zu überlegen, wie es nun weitergehen könnte. Wir könnten ins Drama gehen und eine lautstarke Szene machen, passiv aggressive Kommentare abgeben oder uns beleidigt zurückziehen. Und die Tür beim Gehen noch heftig knallen! Damit nicht ganz unbemerkt bleibt, wie unzufrieden wir mit der Situation sind.


Bringt das etwas? Außer vielleicht dem Potential für energieraubenden Streit und Impulshandlungen, die wir später bereuen werden? Leider nein. Bessere Idee: Kurz innehalten und sich fragen, was hier gerade passiert. Die zugrundeliegenden Emotionen annehmen und zulassen, ohne sich von ihnen fortspülen zu lassen. Um danach gereinigt und mit Klarheit zu agieren. Wie das genau geht erfährst du am Ende des Artikels. Zunächst schauen wir uns noch einmal genauer an, was genau wir da eigentlich so fühlen.


Exkurs: Emotionen und Gefühle


Emotionen bestehen aus 5 Komponenten. Wir schauen uns diese Komponenten hier etwas genauer an folgendem Beispiel an: Eva hat Angst auf eine Party zu gehen, auf der sie außer der Gastgeberin niemanderen kennt, weil sie befürchtet, dass niemand mit ihr sprechen wird.

  1. Kognitive Komponente (Wahrnehmung & Deutung): Die Emotion bezieht sich auf ein Objekt und steht nicht nur für sich. Im Falle unseres Beispiels geht es um die Party, vor der Eva sich fürchtet. Ohne Party keine Angst.

  2. Physiologische Komponente (Herz- und Atemfrequez, Anpassung der Blutgefäße) Der Körper passt sich an z. B. durch Schockstarre oder Anspannung und Vorbereitung auf die Flucht. Evas Atem wird flacher, die Blutgefäße verengen sich und sie denkt nur noch daran, wie sie es vermeiden kann, die Party zu besuchen.

  3. Subjektive Komponente (Gefühl) Wie Wahrnehumg in uns verarbeitet wird. In Eva entseht ein Gefühl des Unbehagens und der Angst. Dieses Gefühl gefällt ihr nicht.

  4. Kommunikative Komponente (Mimik, Gestik, Stimmlage) Diese gibt Mitmenschen Orientierung über das, was in uns oder in der Welt abläuft. Evas Gesichtszüge werden sparsamer und ihre Stimme ist ganz dünn, als ihr Mitbewohner sie fragt, ob etwas nicht stimmt. Auch ihre Körperhaltung ist etwas eingefallen.

  5. Motivationale Komponente (Energie, leitet eine Handlung ein): Jede unserer Handlungen zielt darauf ab, unser emotionales Empfinden zu verbessern, d. h. entweder negative Empfindungen zu vermeiden oder positive Empfindungen herzustellen. Eva denkt sich eine Ausrede aus und zückt ihr Handy, um eine Whatsapp mit einer Absage an die Gastgeberin zu verschicken.

In und durch die Meditation üben wir, von einer Identifikation mit unseren Gedanken, Gefühlen und Emotionen zu einer beobachtenden Haltung gelangen. Damit wir mehr Handlungsspielraum erhalten. So können wir uns bewusst für unsere Gefühle entscheiden und müssen unsere Entscheidungen und Handlungen nicht mehr unbewusst von unseren Emotionen diktieren lassen.


Emotionswelle ahoi!


Hier ist sie nun, die Anleitung um mit deinen Emotionen zu arbeiten. Wenn dich mal wieder etwas triggert, halte kurz inne und folge diesen Schritten:

  1. In den Körper gehen: Was fühle ich gerade in meinem Körper? Wo fühle ich es? Wie genau fühlt es sich jetzt an? Wichtig: du brauchst die Gefühle und Empfindungen nicht zu laben, sonst kommst du wieder ins Denken. Wir wollen im Fühlen bleiben.

  2. Die Emotion annehmen und ausdehnen: Kann ich mir erlauben [deine Emotion] zu fühlen? Beantworte diese Frage mit "Ja!“ und lasse [deine Emotion] 1-10 Minuten zu.

  3. Die Emotion loslassen: Könnte ich [deine Emotion] loslassen? Beantworte diese Frage mit "Ja!“

  4. Mehr loslassen: Warum kann ich [deine Emotion] jetzt so gut loslassen?

  5. Eine Veränderung wahrnehmen: Beobachte wie sich deine Energie im Körper verändert.

Kommen wir zurück zu unserer Freundin Eva. Ihr Mitbewohner erklärt wie sie mit ihrer Angst umgehen kann und sie entschließt sich, die oben erklärten Schritte anzuwenden. Sie hat ja nichts zu verlieren und befindet sich in sicherer Umgebung zuhause. Also geht sie in ihren Körper hinein und spürt die Anspannung. Fühlt die Angst vor Ablehnung und Zurückweisung. Bleibt in diesem Gefühl und entspannt sich vollkommen hinein. Lässt der Angst den Raum und die Zeit, die sie braucht, um sich vollständig akzeptiert zu fühlen. Und fühlt sich mit einem Mal leichter. In ihr steigt auf einmal eine gelassene Heiterkeit auf und plötzlich hat sie Lust, zur Party zu gehen. Denn eigentlich sehnt sie sich danach, mal neue Leute kennenzulernen und sich über Dinge auszutauschen, von denen sie noch gar nicht wusste, dass sie sich über sie austauschen wollte.

Emotionen und Gedanken


Unsere Gedanken entspringen unseren Emotionen. Eine einzige Emotion kann hunderte von Gedanken nach sich ziehen. Daher ist es die Abkürzung, mit der Emotion zu arbeiten als mit den Gedanken. Außerdem ist es manchmal schlicht unmöglich, wenn wir von unseren Emotionen geradezu überwältigt werden, sich in Ruhe hinzusetzen und zu meditieren, weil so viel Gedanken durch unseren Kopf kreisen und wir das Gefühl haben, etwas tun zu müssen – oder umgekehrt – uns zu keiner Aktivität aufraffen können.


Deshalb: manchmal reicht es, in sich hineinzuspüren und das (Chaos), was gerade vorhanden ist, liebevoll und friedlich anzuschauen und dann zu verabschieden.


Viel Erfolg beim Arbeiten mit deinen Emotionen. Auch wenn es nicht immer so leicht ist, kann ein bisschen Übung doch dabei helfen, die eigenen Emotionen besser zu verarbeiten. Und auch die Sicht auf Triggermomente zu verändern: damit wir sie besser annehmen können als Chance, alten Ballast endlich loszuwerden. Und friedlicher, freier und selbstbestimmter zu werden.

 

Mehr Informationen zu Emotionen findest du hier: https://www.motivationswelten.de/emotionen/

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